Mittwoch, 11. März 2009

9. März, Tag 28: Dunedin

Unterkunft: Catlins Backpackers (*****)

Auweia, was für eine Nacht. Nein, es lag nicht am Bee Room. Ich war nur gestern abend etwas verfroren und habe zusätzlich zur Heizdecke, an deren Funktionstüchtigkeit ich etwas gezweifelt hatte, noch den Elektro-Radiator angeworfen. Langsam wurde es etwas gemütlicher und ich bin natürlich prompt eingeschlafen. Nach etwa zwei Stunden war ich dann well done (die Heizdecke hat irgendwie wohl doch funktioniert) und im Zimmer waren es locker 25 Grad. Ich war etwas benebelt, habe den Stecker vom Radiator aus der Steckdose gerissen, die Heizdecke ausgeschaltet und erstmal das Fenster soweit wie möglich aufgemacht. Gegen fünf Uhr hatte ich dann wieder eine erträgliche Temperatur im Zimmer.

Um sieben ging's dann aber auch schon wieder los, ich mußte spätestens um 14 Uhr in Dunedin sein. Wie nicht anders zu erwarten, begann es prompt, als ich das Haus verließ, zu regnen. Am Nugget Point, der ersten Zwischenstation, gab's mal wieder einen Leuchtturm. Aber diesmal in wirklich fotogener Lage. Ich mußte allerdings ein wenig auf den glitschigen Felsen herumklettern, um in eine brauchbare Position zu kommen. Am Leuchtturm selbst regnete es dann wieder etwas mehr und ich bin kurz mit einem Deutschen ins Gespräch gekommen. Man könnte fast meinen, halb Deutschland macht gerade hier unten Urlaub. Das gilt allerdings auch für Holländer, Franzosen, Engländer und ganz besonders für Japaner.

Oh, und Australier. Aber das ist ja auch naheliegend. Zwei Australier sind mir im Mount Stuart Tunnel begegnet. Der 442 Meter lange Tunnel wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und ist nicht mehr in Betrieb, kann aber über einen kleinen Walk leicht erreicht werden. Ob man sich dann rein traut, ist eine ganz andere Frage. Es war zwar mitten am Tag, im Tunnel war es aber auf den ersten Blick ziemlich duster. Dazu kam dann noch das wiederholte Schreien einer Eule und das Geräusch von Fledermausflügeln. Man hätte fast meinen können, jemand spielt das extra von Band ein und macht sich einen Mordsspaß. Aber wenn man schon mal da ist, will man ja nicht einfach wieder gehen, ohne den Tunnel mal durchquert zu haben. Also rein.

Nachdem ich etwa 150 Meter im Tunnel war, hörte ich Stimmen. Kurze Zeit später sah ich dann auch, wem diese Stimmen gehörten, denn zwei Gestalten begaben sich ebenfalls auf den Weg in den Tunnel. Da ich nicht wußte, ob sie mich gesehen hatte, sprach ich sie an, als sie noch ein Stückchen von mir entfernt waren. Ich wollte ja niemanden erschrecken. Wie schon gesagt, es waren zwei Australier. Oder besser ein Australier und eine Deutsche, die nun in Australien lebt. Auch die beiden hatten von den Glühwürmchen gehört, die es hier geben soll. Kurz zuvor hatte ich auch tatsächlich ein paar an der Decke entdeckt.

Es waren nicht übermäßig viele, was aber auch daran liegen konnte, dass die beiden Eingänge des Tunnels extrem hell waren, wenn man sich mal etwas an die Dunkelheit gewöhnt hatte. Es tauchten aber dann immer wieder einige Ansammlungen von Glühwürmchen auf, ich habe sogar ein brauchbares Foto machen können. Ob mir allerdings jemand glaubt, dass die hellen Punkte auf dem schwarzen Bild Glühwürmchen sind, sei dahingestellt. Könnten ja auch Sterne oder Fehlpixel sein. Nachdem wir den Tunnel in beide Richtungen durchquert hatten, begaben wir uns alle auf den Weg in Richtung Dunedin.

Ich war etwas zu früh dran und hatte so noch Zeit, der Baldwin Street einen Besuch abzustatten. Es handelt sich dabei um die steilste Straße der Welt. Da mußte ich mein Auto natürlich gleich einmal hochquälen. Ist ein sehr merkwürdiges Gefühl, gerade beim hochfahren.

Meine Unterkunft für die kommende Nacht war Hogwartz. Ein großer, aber sehr gemütlicher Backpacker, bei dem in der Tat ein wenig Harry-Potter-Feeling aufkommt. Beim Einziehen in mein Zimmer (schon zum zweiten Mal die Nummer 16) ist mir dann Caro begegnet, die das Zimmer direkt neben mir hatte. Sie war ganz begeistert, dass sie endlich einen Deutschen hier in Dunedin getroffen hatte. Wir hatten zufällig auch noch die gleiche Tour am Nachmittag gebucht und uns somit dann am Bus verabredet. Bis dahin habe ich dann gerade noch meine Zugfahrt für den kommenden Morgen gebucht.

Die Peninsula Encounters Tour, die überall sehr gelobt wurde, startete um kurz nach drei und war auf sechs Stunden angesetzt. Wir wurden mit dem Bus direkt vor Hogwartz eingesammelt. Nachdem alle an Bord waren, ging es los in Richtung Otago Peninsula. Als erstes fuhren wir zum Royal Albatross Center, wo sich die einzigen Albatross-Kolonie an Festland auf der Südhalbkugel befindet. Es war stürmisch und saukalt, aber die Albatrosse hatten ihren Spaß und ließen sich vom Wind treiben. Leider, und das wäre auch schon der einzige Kritikpunkt an der heutigen Tour, blieben wir nur auf der der Kolonie abgewandten Seite des Berges, so dass wir die Vögel nur im Flug sehen konnten.

Als nächstes fuhren wir in ein Reservat, in dem wir kleine Seehunde und Gelbaugenpinguine beobachten konnten. Unterwegs bin ich dann auch mein halbes Nutellabrot losgeworden, da Caro über den Schreck, ihren Neuseeland-Steckdosenadapter in Christchurch vergessen zu haben, nicht mehr daran gedacht hat, vor der Tour noch etwas zu essen. Außerdem gab es immer wieder kleine Zwischenstopps mit Erklärungen, wenn ein interessanter Vogel neben dem Bus auftauchte.

Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und wanderten dann jeweils abwechselnd zu den Seehunden und den Pinguinen. Zum ungestörten (für die Tiere) Beobachten gab es jeweils kleine Hütten in ausreichender Distanz zu den Tieren, von denen aus man dann mit Ferngläsern (oder einem 300mm-Objektiv) das Geschehen verfolgen und dem Guide Fragen stellen konnte. Auf dem Weg zu den Pinguinen trafen wir am Strand noch auf eine Seelöwen-Dame, laut Aussage unseres Guides wohl ein ganz seltenes Schauspiel.

Mittlerweile hatte ich auch ein kleines Loch im Bauch. Der Gedanke an eine Pizza (ihr wisst sicher schon, woher) hielt mich aber bei Laune. Ich hatte Caro schon gesagt, dass ich mir sowieso eine Pizza holen wollte, und dass ich ihr gerne was mitbringe. Um kurz nach neun waren wir dann wieder zurück und nach einem Blick in Hell's Full Fury machte ich mich nochmal auf den Weg. Leider hatte der Laden im Süden Dunedins schon zu. Komisch, stand doch auf der Tür, dass bis 22 Uhr geöffnet ist. Aber es gab ja noch einen. Dummerweise genau das gleiche Spiel. Drinnen war aber noch eine Angestellte, die mich darauf hinwies, dass Montag und Dienstag nur bis um neun geöffnet sei, man aber die Schilder noch nicht angepasst hätte. Toll.

Das ist überhaupt so eine Sache, die ich bei den Kiwis überhaupt nicht nachvollziehen kann. Nach sieben Uhr abends geht hier praktisch nichts mehr. Nach acht bekommt man meist schon nichts mehr zu essen. Selbst der KFC mitten in Dunedin, der glücklicherweise direkt auf der anderen Straßenseite war, machte fünf Minuten später dicht. Hey, das ist eine Stadt, in der es eine Universität und damit auch Studenten gibt! Und um neun Uhr abends gibt's keine Pizza und um zehn keine Burger mehr? Also bitte! Nun ja, so gab es also noch einen kleinen, scharfen Chicken-Wrap. Kein wirklich äquivalenter Ersatz für eine große Mordor-Pizza, aber das Loch im Bauch wurde notdürftig gestopft.

Wie oben schon beiläufig erwähnt, hatte Caro ja ihren Steckdosenadapter vergessen, und so konnte ich meine Neunfach-Verteilersteckdose in dieser Nacht mal fast zur Hälfte auslasten und ihren Foto-Akku auch noch mit aufladen. Immer gut, wenn man bei den wichtigen Sachen auf Redundanz achtet. Nach einem kurzen Abstecher ins Internet bin ich dann auch prompt eingeschlafen.

Dienstag, 10. März 2009

8. März, Tag 27: The Catlins

Unterkunft: Invercargill Top 10 Holiday Park (*****)

Ich komme irgendwie nicht mehr zum schreiben. Was schlecht ist, da ja das Erlebte immer relativ schnell wieder von neuen Eindrücken verdrängt wird. Gerade sitze ich aber in einer gemütlichen, alten Bummelbahn (dazu übermorgen mehr) und kann meine Stichpunkte ein wenig ausschmücken.

Heute morgen bin ich früh aufgestanden, denn ich hatte ein ziemlich vollgepacktes Programm in den Catlins vor mir. Vorher noch kurz zum Supermarkt und die hoffentlich letzten Einkäufe gemacht. Ich bin dann allerdings prompt an der Self-Service-Kasse gelandet, die ich beim real,- bisher immer elegant vermieden habe. Meiner Meinung nach - wie ich schon immer vermutet hatte - eine völlig überflüssige Erfindung. Man braucht etwa dreimal so lange wie an einer normalen Kasse. Ist ja auch logisch, man hat ja keine Arbeitsteilung mehr. Und zum Schluß mußte dann doch noch jemand meine Unterschrift kontrollieren.

Zum Kassenzettel gab's noch ein Coupon, mit dem man 4 Cent pro Liter Benzin sparen konnte. Prima, mein Tank war ohnehin fast leer. Also zur Tankstelle. Die war aber leider voll automatisiert. Meine Kreditkarte wollte sie nur mit PIN - die ich nicht habe - akzeptieren. Und mit der EC-Karte kam sie überhaupt nicht klar, hat mir nur dreimal eine Rechnung über Null Dollar ausgespuckt. Barzahlung war natürlich Fehlanzeige. Soviel zu dem tollen Coupon. Nachdem ich dann meinen Tank an einer mit menschlichem Personal besetzten Tankstelle doch noch füllen konnte, ging es endlich zurück auf die Southern Scenic Route.

Gleich beim ersten Schild war mir endlich klar, warum es hier immer regnete. Ich bin ja selbst schuld, wenn ich freiwillig in die Wetlands fahre. Sah zwar sehr nett aus dort, war aber eben von oben wie unten naß, so dass ich mich lediglich an einem Panorama in meinem Auto versucht habe. Das hat eine ganze Weile gedauert, aber der Regen hatte in der Zwischenzeit nicht wirklich nachgelassen.

Dann ging's weiter zum Waipapa Point Lighthouse. Neben dem offensichtlichen Leuchtturm und viel Wind gab es auch noch einen Pinguin, der einfach nur im hohen Gras rumstand. Zwei andere Besucher meinten, er wäre sicher krank; dem war aber wohl eher nicht so, er sah nämlich relativ rund aus, was um diese Jahreszeit darauf hindeutet, dass er sein Gefieder wechselt. Das dauert fast einen Monat, in denen der Pinguin nichts machen, außer rumzustehen. Er legt vorher ungefähr zwei Kilo an Fettreserven an (das sind etwa 30% seines normalen Gewichts), von denen er dann die nächsten Wochen zehrt. Um Energie zu sparen, macht er einfach nichts anderes als rumstehen. Daher sollte man die Pinguine in diesem Zustand auch nicht allzu sehr stressen. Am Strand lag dann auch noch ein Seelöwe, der im Laufe der Zeit einige Besucher anzog, sich aber davon nicht wirklich beeindrucken lies.

Nächstes Ziel war Slope Point, der südlichste Punkt der Südinsel von Neuseelands auf 46 Grad und 40.5 Minuten südlicher Breite. Die Landschaft hier ist vom starken Wind gezeichnet, der von der Küste in Richtung Land bläst. Einen Leuchtturm gibt's natürlich auch hier mal wieder und das unvermeidliche Schild mit den Entfernungsangaben. Diesmal hat man sich aber aufs Wesentliche beschränkt und nur Äquator und Südpol angegeben. Der Wind ist echt heftig, die Location aber trotz des relativ hohen Touristendurchsatzes ganz nett. Und es hat hier nicht mal geregnet, obwohl man zum Slope Point eine Viertelstunde laufen muß.

Zur Curio Bay wollte ich eigentlich gar nicht, aber dann war das Schild mit der geringen Entfernung und dem Hinweis auf einen versteinerten Wald doch zu verlockend. Und es war wirklich interessant, in den Felsen fanden sich allerlei Überreste von Bäumen und Pflanzen, zum Beispiel ein fast 30 cm großer, versteinerter Farn. Bei Ebbe ist wohl dort noch deutlich mehr zu sehen, aber bis abends um acht wollte ich dann doch nicht mehr warten. Aus eben diesem Grund habe ich mir dann auch die Cathedral Caves heute nicht mehr gegeben.

Jetzt begann der reinste Wasserfall-Marathon. Der erste Wasserfall kam auf dem Weg zu den McLean Falls von oben. Ärgerlich, weil ich natürlich bei Sonnenschein ohne Schirm losgezogen bin und somit das Fotografieren nur eingeschränkt möglich war. Besonders ärgerlich, weil die McLean Falls von allen vier Wasserfällen heute die schönsten waren. Auf dem Weg zu den Matai Falls habe ich noch einen kurzen Zwischenstopp beim Moorsee Lake Wilkie gemacht.

Die Matai Falls fand ich persönlich recht unspektakulär. Wesentlich ansehnlicher sind da schon die ein paar Meter höher liegenden Horseshoe Falls, welche die Matai Falls speisen. Den kurzen Abstecher sollte man also unbedings machen. Zu guter Letzt lagen dann noch die Purakaunui Falls auf dem Weg, die es in Sachen Ästhetik fast mit den McLean Falls aufnehmen können. Mittlerweile war ich auch besser ausgerüstet und hatte immer einen Schirm dabei. Nicht für mich, für die Kamera.

Zwischen den vielen Fällen gab es immer wieder wunderschöne Landschaften. Ich kann mir gut vorstellen, wie herrlich das erst an einem richtigen Sommertag sein muß. Gegen kurz nach sieben kam ich dann in Owaka, der größten Stadt in den Catlins an. Das war der erste Backpacker, bei dem ich remote eingecheckt habe. Vor der Tür stand ein Telefon, darüber ein Hinweis, wo man bitte anrufen möchte. Die freundliche Stimme am anderen Ende gab einem daraufhin Instruktionen und einen Zahlencode zum Öffnen einen kleinen Schließfachs, in dem sich der Schlüssel für die Unterkunft befand. Sehr interessant.

Bis in mein Zimmer, den Bee Room, bin ich dann allerdings gar nicht erst gekommen. Im Fernsehzimmer saß ein Pärchen aus London, mit denen ich gleich ins Gespräch kam. So haben wir dann stundenlang gequatscht, lediglich kurz unterbrochen durch einen persönlichen Besuch der Stimme aus dem Telefon gegen 21 Uhr. In der Hoffnung, ihn nicht mehr zu benötigen, habe ich den Beiden dann noch den Rest von meinem Insektenschutz gegen die Sandflies mitgegeben. Der Name auf der Dose hat die beiden echt begeistert: "Off!". Nun ja, paßt ja auch irgendwie.

Die Nacht war fast sternenklar (toll, warum eigentlich nicht tagsüber?), leider aber dank Mond auch taghell. Und es war knackig kalt, so dass ich mich gefreut habe, dass es eine Heizdecke in meinem Bett gibt. Ach ja, der Bee Room: Bienchen an der Wand, Bienchen auf der Bettdecke, Bienchen auf dem Schrank. Noch Fragen? Nein, wirklich sehr nett gemacht, das Zimmer.

Samstag, 7. März 2009

7. März, Tag 26: Milford Sound

Unterkunft: Parklands Motel (****)

Eigentlich wollte ich ja heute nochmal in die Luft gehen. Diesmal aber ohne unterwegs auszusteigen. Ein 90-minütiger Helikopter-Rundflug über die Dusky und Doubtful Sounds sollte es werden. Es hat sich sogar gestern abend noch jemand gemeldet, der genau diesen Flug auch machen wollte, denn es braucht immer mindestens zwei Passagiere für einen Flug. Leider scheiterte das ganze jedoch - mal wieder - am Wetter. Über Te Anau sah es zwar zeitweise recht nett aus, aber über sämtlichen Sounds hingen dicke Regenwolke. Und die muß man sich ja nun nicht von oben anschauen. Es bestand allerdings noch der Hauch einer Chance, sollte es bis zum Abend aufklaren, eine verkürzte Tour ab 17 Uhr zu machen. Auf jeden Fall hatte ich bis 17 Uhr erst mal frei.

Es war etwa halb zehn, fast schon zu spät, um nochmal zum Milford Sound zu fahren. Ich hab's dann aber trotzdem gemacht und unterwegs etwas mehr auf die Tube gedrückt und etwas weniger aus dem Fenster geschaut. Hatte ich ja gestern alles schon mal in Ruhe gesehen, und an den paar Ecken, wo ich nochmal gucken konnte, sah's nicht ganz so schön aus wie gestern, denn der Regen war nicht mehr ganz so heftig. Leider waren, wie befürchtet, auch andere auf dem Weg zum Sound, und so klappte das mit dem auf die Tube drücken nicht so richtig. Um kurz nach elf war ich dann aber dort und hatte nun im Besucherzentrum die Qual der Wahl zwischen vier Veranstaltern von Rundfahrten auf dem Milford Sound. Ich habe dann einfach den genommen, der die längste Tour mit möglichst wenig Wartezeit im Angebot hatte.

So fiel die Wahl auf den dreistündigen Discover More Cruise der Red Boat Cruises. Neben gut zwei Stunden herumschippern auf dem Sound gab's noch Mittagessen an Bord und einen Besuch des Milford Deep. Und es ging bereits in weniger als einer halben Stunde los. Das Wetter war genau so, wie es sein sollte: es regnete beinahe ununterbrochen. Aber, wie gestern schon erwähnt, lebt der Sound erst bei diesem Wetter so richtig. Und das gilt auch, wenn man mit dem Schiff unterwegs ist. So bringt es leider auch wenig, die ganze Zeit im warmen Schiff zu sitzen, das echte Erlebnis hat man nur oben auf dem Regendeck (O-Ton unseres Kapitäns). In seltenen Fällen ist es auch mal ein Sonnendeck, aber an etwa 200 Tagen im Jahr regnet es hier. Und zwar die beachtliche Menge von knapp sieben Metern.

Die Fahrt auf dem Milford Sound ist wirklich beeindruckend. Wir hatten extremes Glück, dass es ab und zu auch mal aufgehört hat zu regnen und man so auch fotografieren konnte, ohne dass innerhalb von Millisekunden die Optik nass wird. Aber es kann dann auch binnen weniger Sekunden wieder anfangen, heftigst zu schütten. Oder es kommt eine Windböe, die einen wirklich fast von Bord bläst. Das Schiff war nun wirklich nicht klein, aber Laufen war zeitweise wegen des Seegangs kaum möglich. Die Wasserfälle an den Felswänden sind einfach faszinierend, vor allem dann, wenn der Wind mit ihnen spielt. Es ist schon unglaublich, dass es hier an den steilen Felsen sogar Pflanzen und Tiere gibt. Aber es gibt noch mehr: an vielen Stellen wurden vom Wasser im Laufe der Zeit Metalle wie Kupfer, Eisen oder Gold freigelegt, die in den Felsen nun gut sichtbare Spuren hinterlassen haben.

Auf dem Rückweg gab's dann erst mal eine ordentliche Erfrischung. Unser Schiff fuhr in einen der Wasserfälle hinein, wer oben auf dem Regendeck oder, noch besser, vorne auf dem kleinen Deck stand, bekam eine ordentliche Ladung Wasser mit einer Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt ab. Die Wasserfälle werden nicht nur vom Regen, sondern auch vom Schmelzwasser der Berge gespeist. Ich stand vorne auf dem Schiff und kann die Temperatur in etwa bestätigen. Als einer der wenigsten hatte ich allerdings nicht nur eine Regenjacke, sondern auch eine Regenhose und ziemlich wasserdichte Schuhe an. Viele Besucher standen da mit Jeans rum, die waren nachher natürlich bis in die Unterhosen nass.

Zum Glück gab es dann im Milford Deep, einem Aquarium, in dem Fische die Menschen beobachten können, auch einen überdimensionalen Heizlüfter, der mich allerdings eher an Sauron oben auf dem Schicksalsberg erinnerte. Ein heftiges Teil, innen rot glühend, außen waberte die heiße Luft. Der hat sicher an die 20 Kilowatt verbraucht. Vor selbigem Heizlüfter versammelten sich nun alle Jeansträger, bis ihnen im wahrstens Sinne des Wortes der Hintern qualmte. Ein wirklich kurioser Anblick. Wer nun nicht gerade vor dem Lüfter stand, konnte etwa zehn Meter nach unten gehen und sich von den Fischen im Sound beobachten lassen. Die eigentliche Attraktion des Milford Deep, schwarze Korallen, waren leider aufgrund der tiefen Süßwasserschicht heute nicht zu sehen.

Um nochmal auf den Heizlüfter zu kommen: mit Strom zu heizen ist hier unten ganz normal. Sowas wie Zentralheizung gibt es hier nicht. Wie auch, die Häuser haben ja alle keine Keller. Zu jedem Hotelzimmer gehört also ein Heizlüfter oder ein Elektroradiator und Heizdecken im Bett. Gut, dass es in Neuseeland auch im Winter nicht so richtig kalt wird.

Um kurz vor drei liefen wir dann wieder ein und ich habe mir, auf Empfehlung zweier Passagiere, mit denen ich ins Gespräch kam, noch eine DVD gekauft, welche angeblich die Sounds aus der Hubschrauberperspektive zeigt. Nachdem das mit dem echten Flug ja wahrscheinlich nichts mehr werden würde, hätte ich so wenigstens einen kleinen Ersatz. Die DVD war dafür aber auch nicht ganz so teuer. Also wieder ins Auto und die Strecke zum vierten Mal gefahren. Langsam kannte ich die einzelnen Brücken und Kurven schon mit ihren Vornamen. Und zum vierten Mal (falsch, eigentlich zum fünften Mal) überquerte ich den 45. Breitengrad.

In Te Anau war immer noch das gleiche Wetter, damit war die letzte Hoffnung auf einen Flug dahin. Ich machte mich also auf den Weg in Richtung Invercargill. Allerdings nicht auf der kurzen Strecke, sondern über die Southern Scenic Route. Auf eben dieser habe ich dann heute innerhalb von drei Stunden mehr Schafe gesehen, als in den vergangenen Wochen Schafe und Neuseeländer zusammen. Hier verstecken die sich also alle. Auf der Southern Sheep Route.

Die Route führt bis an die Pazifikküste im Süden der Insel und dann bis Invercargill. Die Landschaft ist hier von der rauhen Seeluft geprägt. Die Route selbst ist kaum befahren, endlich mal wieder ein bißchen Abstand von den Haupttrampelpfaden der restlichen Touris. Beinahe hätte ich hier noch einen Hasen zur Strecke gebracht, der vor meinem Auto dann aber noch einen Haken schlagen konnte. Derartige Roadkills sind in Neuseeland aber an der Tagesordnung. Auf jedem Kilometer Straße klebt für gewöhnlich mindestens ein Possum. Es gibt in Pukekura sogar ein Restaurant, das sich darauf spezialisiert hat (Motto: "You kill 'em, we grill 'em").

Freitag, 6. März 2009

6. März, Tag 25: Milford Road

Unterkunft: Flaming Kiwi Backpackers (***)

Als ich es nachts auf das Dach prasseln gehörte habe, hatte ich schon das schlimmste befürchtet. Doch es war ein sehr schöner Morgen. Um kurz nach sieben saß ich dann auch schon im Auto. Tagesziel war Te Anau, zuvor habe ich mir aber im Fresh Choice in Queenstown noch ein paar leckere (und gesunde) Sachen geholt. Und dann hat sich mal wieder bewahrheitet, dass man Navigationssystemen nicht weiter trauen sollte, als man sie werfen kann. Der Navman meinte doch tatsächlich, mich erst bis fast an die Ostküste lotsen zu müssen, um dann im Süden wieder die gleiche Strecke zurück nach Westen zu fahren. Ohne Navi bin ich auch mit knappen 200 Kilometer weniger ans Ziel gekommen.

Unterwegs wieder tolle Landschaft, die Südinsel hat schon ihren ganz eigenen Charakter. Trotzdem war ich gegen halb zwölf bereits in Te Anau. Da ich noch mehr als einen halben Tag Zeit hatte, bin ich kurzerhand in Richtung Milford Sound aufgebrochen, ein Trip, den ich aufgrund der Entfernung von 120 Kilometern eigentlich schon von meiner Liste gestrichen hatte. Was für ein grober Fehler!

Kaum bewegte ich mich im Auto auf den Sound zu, wurde das Wetter mit jedem Kilometer schlechter. Und, was soll ich anderes sagen: Zum Glück! Nicht, dass die Strecke auch bei schönem Wetter toll gewesen wäre. Aber wenn es regnet ist sie einfach unbeschreiblich. Von riesigen, fast senkrechten, blank-schwarzen Felswänden stürzen sich hunderte kleiner, fein verästelter Wasserfälle herab. Ein unglaublicher Anblick. Leider nur schwer zu fotografieren, da man in Null komma Nix Wassertropfen auf der Linse hat.

Auch die Keas, die sich normalerweise am Osteingang des Homer-Tunnels herumtreiben, hatten wohl keine große Lust, naß zu werden. Der Homer-Tunnel ist übrigens einspurig und immer 15 Minuten in jede Richtung freigegeben. Drinnen gleicht er eher einer Tropfsteinhöhle: es ist dunkel und überall plätschert es. Auf der anderen Seite wird landschaftlich nochmal einer draufgesetzt, und es geht die knappen 1000 Meter, die man vorher zum Tunnel hinaufgefahren ist, wieder herunter zum Milford Sound.

Das Besucherzentrum am Milford Sound gleicht eher der Bahnhofshalle einer mittleren deutschen Großstadt als einem beschaulichen Ort. Etwa im Stundentakt legen hier die großen Schiffe verschiedener Betreiber ab und an um jährlich eine halbe Million Besucher auf dem Sound herumzufahren. Leider war ich für die Tour, die mich interessiert hätte, aber schon zu spät dran. Zudem wäre ein bißchen mehr Sicht sicher auch nicht schlecht gewesen. Also bin ich wieder zurück nach Te Anau und habe mich ein zweites Mal an der tollen Strecke erfreut. Sollte das Wetter morgen tatsächlich besser sein, fahre ich vielleicht sogar nochmal hin und schaue mir das zweite Gesicht des Fiordland Nationalparks an.

Wieder in Te Anau angekommen habe ich dann noch einen kurzen Ausflug zu Fuß zum etwas außerhalb gelegenen Te Anau Wildlife Center gemacht. Ein kleiner Park, der rund um die Uhr geöffnet ist und sich nur über freiwillige Spenden finanziert. An dieser Stelle möchte ich kurz das Department of Conservation erwähnen, welches auch diesen Park betreibt, denn ich kenne eigentlich keine vergleichbare Organisation. Es handelt sich dabei um eine Art staatlich betriebener Naturschutzbehörde, die im ganzen Land Besucherzentren betreibt und unter anderem den Großteil der Nationalparks und Wanderwege betreut. Trotz chronischen Geldmangels hat das DOC eine ganz hervorragende Homepage und bietet so die Möglichkeit, sich zentral über die möglichen Aktivitäten in den einzelnen Regionen Neuseelands zu informieren. Tolle Sache.

5. März, Tag 24: Arrowtown und Queenstown

Unterkunft: Lake Hawea Motor Inn (*****)

Nachdem ich heute morgen die Vorhänge geöffnet hatte, fiel mir sofort auf, dass dies bis jetzt das Zimmer mit der besten Aussicht war. Bereits gestern abend blies hier am Lake Hawea ein ziemlich heftiger Wind, der bis zum Morgen an Intensität nichts eingebüßt hatte. Dafür war er jetzt aber auch noch richtig schön kalt. Da ich heute nur gerade einmal knappe 100 Kilometer mit dem Auto fahren mußte, bin ich als erstes glatt nochmal zurück zum Lake Wanaka um noch ein paar Bilder zu machen.

An der Tankstelle wurde mir dann nahegelegt, auch noch in Wanaka selbst vorbeizuschauen. Das hatte ich aber sowieso schon vor. Auch ein schicker Ort. Mir fällt überhaupt auf, dass die Orte im Süden der Südinsel wesentlich schicker sind als im Rest Neuseelands. Mal sehen, ob sich der Eindruck in den nächsten Tagen noch bestätigt. Trotzdem konnte mich Wanaka nicht zum längeren Bleiben animieren. Also ging es weiter in Richtung Arrowtown.

Arrowtown
ist jetzt aber wirklich ein netter, kleiner Ort. Hier hätte ich es auch länger aushalten können, wenn mein Ziel nicht eigentlich Queenstown gewesen wäre. So bin ich in Arrowtown einen netten Rundweg um den Arrow River gelaufen und habe mir danach noch das Zentrum angeschaut. Viele kleine und hübsch aufgemachte Läden, darunter auch am einen Ende die Arrowtown Bakery. Da klingelte etwas bei mir, im Lonely Planet war von dieser Bäckerei auch die Rede. Und als ich dann vor dem Eingang stand, fiel mir auch wieder ein, warum: es waren die hausgemachten Pasteten. Also nichts wie rein, auch wenn ich eigentlich keinen großen Hunger hatte.

Die Wahl fiel mir nicht leicht, es gab um die 20 verschiedene Sorten. Ausgerechnet die Sorte, die es dann werden sollte - Lamb & Mint - war dann aus. Also habe ich einfach die Bedienung nach ihrer Lieblingssorte gefragt und bin so zu einem Chicken Satay Pie gekommen. Richtig schön warm und wirklich extremst lecker. Schade, dass ich nun wirklich keinen Hunger mehr hatte, sonst hätte ich noch eine oder zwei Sorten ausprobiert. An diesem Laden sollte man auf keinen Fall vorbeigehen.

Weiter ging's nach Queenstown, angeblich der Treffpunkt für Adrenalinjunkies in Neuseeland. Die Umgebung sieht auf jeden Fall sehr vielversprechend aus. Queenstown liegt in einem Tal am Lake Wakatipu. Queenstown selbst macht in der Tat einen etwas überdrehten Eindruck. Nachdem ich mich im Flaming Kiwi für die Übernachtung angemeldet hatte, bin ich noch mit der Skyline Gondola auf Bob's Peak gefahren. Interessant (aber auch irgendwie beruhigend) fand ich, dass die Seilbahn, mit dem man auf den Gipfel fährt, aus Österreich stammt. Ist ja eine ganze Menge Material, das da einmal auf die andere Seite der Erde geschafft werden muss.

Von Bob's Peak aus hat man auf jeden Fall eine hervorragende Aussicht auf Queenstown, den Lake Wakatipu und die gesamte Umgebung. Oben kann man sich (natürlich) wieder mit allem möglichen Blödsinn die Zeit vertreiben: Bungy-Jumping neben der Seilbahn zum Beispiel. Oder Tandem-Gleitschirmfliegen. Ich habe mich ganz banal für's Laufen entschieden und den Skyline Loop Track gemacht. Der war dann auch so gut wie leer, da alle anderen ja bestens abgelenkt waren.

Den Abend habe ich dann mit einer Creator Gourmet (Spinat, Feta, Schwarzer Pfeffer, Getrocknete Tomaten, Schinken, Zwiebeln, Knoblauch) und, dazu passend, einem schwarzen Johannisbeersaft beim Sonnenuntergang auf der Mauer der Queenstown Bay verbracht.

4. März, Tag 23: Über den Wolken

Unterkunft: Top 10 Holiday Park (*****)

Da könnte ich mich glatt dran gewöhnen: Blauer Himmel und Sonnenschein. Überhaupt, ich könnte mich an diesen Urlaub gewöhnen. Mmmmh, ich hab' ja noch ein paar Wochen auf dem Langzeitkonto... ;-) Nicht mal die Programmiererei vermisse ich bisher, was ich nach über drei Wochen schon recht erstaunlich finde. Ich habe in den drei Wochen übrigens exakt zwei Perl-Einzeiler geschrieben: einen zur Vorbereitung meines Vortrags und noch einen, um meine Urlaubskasse zu checken.

Dass herrliche Wetter mußte ich natürlich sofort ausnutzen und bin zum Lake Matheson am 20 Kilometer entfernten Fox-Gletscher gefahren. Den See kann man in einer guten Stunde umrunden und hat dabei einen unheimlich tollen Blick auf den Aoraki, den mit 3754 Metern höchsten Berg Neuseelands. Ein schöner Spaziergang, nur war ich leider schon ein wenig spät, den sowohl die Wolken am Aoraki als auch die Touristen am See begannen sich zu verdichten.

Und wo ich nun schon beim Fox-Gletscher war, habe ich mir diesen auch gleich nochmal näher angeschaut, diesmal aber aus der Luft. In einer kleinen Cessna ging es hoch hinaus über die neuseeländischen Alpen, die Sicht war toll, man konnte erst aus dieser Perspektive erkennen, wie wenig man von den Gletschern vom Boden aus sieht. Ein toller Flug, leider hatte ich die Option für die Landung nicht mitgebucht und mußte nun in etwa auf der Höhe des Gipfels des Aoraki aussteigen. Zum Glück war ich nicht alleine, sondern hing bestens gesichert an Greg, der mich langsam Richtung Luke schubste. Noch einmal freundlich lächeln, dann ging's los.

Alles drehte sich, das Flugzeug huschte kurz noch über mir vorbei und wurde dann ziemlich schnell kleiner, bis wir uns wieder so gedreht hatten, dass ich die Erde sehen konnten. Greg hatte nichts besseres zu tun, als hinter meinem Rücken (im wahrsten Sinne) in den 45 Sekunden bis zum Öffnen des Fallschirms allerlei Unsinn anzustellen. Ein kurzer Ruck, dann war es plötzlich ganz still. Ich konnte es mir in den ganzen Gurten nun wieder etwas gemütlicher machen, die Brille abnehmen und die wunderschöne Landschaft erneut genießen. Langsam aber sicher ging es (leider) nach unten, ich hätte gerne noch eine Weile da gehangen und gestaunt. Aber es hat auch so noch einige Minuten gedauert, bis man am Boden wieder Einzelheiten wie Menschen oder Schafe erkennen konnte.

Trotz, wie mir Greg nachher mitteilte, etwas widriger Windbedingungen gab es eine butterweiche Landung im Gras. Nun ja, er macht das ja auch schon länger, um genau zu sein seit über 30 Jahren. Ich war erstmal ziemlich sprachlos, denn so viele Eindrücke in so kurzer Zeit mußte ich schon lange nicht mehr verarbeiten. Kamera und GPSr waren natürlich mit dabei, die Kamera mußte (und wollte) ich dann aber im Flugzeug lassen. Netterweise hat sich der Pilot die Freiheit genommen, auf dem Weg nach unten noch ein paar Bilder zu schießen. Überhaupt eine nette Eigenschaft der Kiwis: nicht immer nur reden und überlegen, sondern einfach auch mal machen.

Nach einer Flasche O-Saft (statt des Biers, welches mir beim Abholen von der Landestelle empfohlen wurde) ging es dann auch bald weiter auf den Haast Highway. Dieser Highway, gerne auch als World Heritage Highway bezeichnet, da es sich bei der Haast-Region um ein Weltnaturerbe handelt, ist der Traum eines jeden Motorradfahrers. Dementsprechend ist die Anzahl der Biker auf dieser Strecke um ein vielfaches höher als zumindest in dem Rest von Neuseeland, den ich bisher kennen gelernt habe. Und ich muß sagen: jawohl, die Landschaft hier ist mal wieder atemberaubend schön.

Als erstes legte ich dann am Lake Moeraki einen kleinen Zwischenstopp ein und begab mich auf den Monro Beach Walk, der mich nach knappen 45 Minuten an eben diesen Strand führte. Mein Stativ hätte ich dabei durchaus im Auto lassen können. Stativ hat ja bekanntlich was mit statisch zu tun, aber das durfte man hier auf keinen Fall sein, sonst wurde man wieder, genau, von abertausenden Sandflies angegriffen. Insektenschutz hin oder her, aber von dem müssen die Viecher ja auch erstmal was mitbekommen. Solange man sich bewegt, ist das aber kein Problem. Sehr schöner Strand, taugt nur leider nicht zum ausruhen.

Schließlich kam ich an den Haast Pass, die Dämmerung hatte schon eingesetzt, aber es waren noch immer etwa 70 Kilometer zu fahren. Trotzdem habe ich noch zwei Mini-Walks zu den Thunder Creek Falls und den Fantail Falls gemacht, und auch Lake Wanaka und Lake Hawea waren noch zu erkennen. Lake Hawea war dann auch das Ziel für heute, um 21 Uhr konnte ich einchecken und mich erstmal ein wenig von dem ereignisreichen Tag erholen. Eine Stunde später bin ich dann nochmal auf den Balkon und konnte nochmal den Sternenhimmel in einer klaren Nacht genießen. So kam ich dann auch noch kurz mit einem Trucker aus Dunedin ins Gespräch, der das Zimmer (und den Balkon) neben mir bewohnte.

Am Rande sei noch erwähnt, dass der FM-Transmitter für den iPod in Neuseeland durchaus zufriedenstellend funktioniert. Das liegt hauptsächlich daran, dass hier auf UKW fast totale Funkstille herrscht. Leider tut er nur für ältere Aufnahmen wirklich gut. Bei neueren Aufnahmen, dem Loudness War sei dank, liegt der Klirrfaktor deutlich im zweistelligen Prozentbereich, was ich auf Dauer nicht ertrage. Schade, denn das dürfte wohl ein Design-Bug im FM-Transmitter sein. Richtig ärgerlich ist aber, dass ich den Transmitter gar nicht gebraucht hätte: Wie vor ein paar Tagen zufällig gesehen habe, besitzt das Autoradio tatsächlich einen von vorne zugänglichen AUX-Eingang. Nur das passende Kabel liegt leider in meinem Keller in Gärtringen.

Montag, 2. März 2009

3. März, Tag 22: Eiszeit

Also, diese Sandflies können einem wirklich ganz schön auf den Keks gehen. Klar, es zwickt, wenn sie beißen. Das wäre alleine ja nicht so tragisch. Aber nach einem halben Tag bilden sich an den Bißstellen etwa 6 Millimeter große, runde Knubbel, die wirklich höllisch jucken. Und von denen hat man dann scheinbar ein paar Tage was, den meine stehen heute noch in voller Blüte und haben mir etwas den Schlaf geraubt. Davon mal abgesehen hatte ich einen wunderschönen Morgen, saukalt draußen (und drinnen), aber ein herrlicher, blauer Himmel. Und siehe da, ich war von Bergen umgeben - um genau zu sein von den neuseeländischen Südalpen - davon war gestern noch nichts zu sehen.

Etwas getrübt wurde meine gute Stimmung, als beim Biss ins Nutellabrot der noch vorhandene Teil eines meiner Backenzähne den auftretenden Scherkräften nicht mehr standhalten konnte und sich prompt inmitten von zerkautem Backwerk und Haselnußcreme versteckte. Nun ja, Shit happens. Ich denke, die Reparatur kann noch zwei Wochen warten.

Man sollte ja eigentlich denken, ich würde hier unten Urlaub machen, um der Kälte und dem Schnee in Deutschland zu entkommen. Zumindest heute war dem aber nicht so, denn es galt, den Franz-Josef-Gletscher zu besteigen, und der besteht ja bekanntlich aus Eis. Um kurz nach acht wurde ich von einem Fahrer der Franz Josef Glacier Guides abgeholt und dann vor Ort mit der notwendigen Ausrüstung versehen. Halbwegs wasserdichtes Schuhwerk, Steigeisen und Regenjacke. Die Schuhe fielen riesig aus und leider war auch noch Wasser vom Vortag drin. Also nochmal gewechselt, die neuen passten besser, waren aber auch nicht trocken. Dann ging's los Richtung Gletscher.

Ist übrigens wirklich witzig, wenn man da im Tal steht, durch das sich der Gletscher noch vor ein paar hundert Jahren zog. Zum einen, da praktisch direkt neben dem Eis der Regenwald anfängt, zum anderen, da der Gletscher zwar nicht so aussieht, als wäre er weit weg, man dann aber doch knappe 45 Minuten unterwegs ist. Dass sich der Gletscher bei den hier vorherrschenden Temperaturen überhaupt hält, liegt einzig daran, dass Unmengen von Eis von oben nachgeschoben werden. Pro Tag fließt der Gletscher um etwa einen halben Meter. Im Bereich der Nährzone des Gletschers fallen im Jahr durchschnittlich 45 Meter (!) Niederschlag, und diese größtenteils als Schnee. Zum Vergleich: London bringt es gerade mal auf einen dreiviertel Meter. Im Übrigen wächst der Gletscher seit ein paar Jahren wieder, trotz, oder besser wegen, der Klimaerwärmung. Diese sorgt nämlich dafür, dass die Luft über der Tasmanischen See noch mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und somit die Niederschlagsmenge weiter steigt.

So, genug der Theorie! Es ging auf dem Weg zum Gletscher unter anderem durch einige Flüsse. Spätestens hier hätte ich dann sowieso Wasser in den Schuhen gehabt. Etwa gegen halb zehn waren wir an der Gletscherfront, legten die Steigeisen an und teilten uns in kleinere Gruppen zu je elf Leuten auf. Meine Gruppe bestand etwa zur Hälfte aus Däninnen. Jede Gruppe bekam ihren eigenen Guide, unserer hieß Tim. Die Guide waren nun aber nicht nur damit beschäftigt, ihre jeweilige Gruppe durchs Eis zu leiten, sondern auch dafür, die Routen instand zu halten. Wie bereits erwähnt, fließt der Gletscher einen halben Meter pro Tag. Deshalb und gerade auch wegen des häufigen Regens sind beispielsweise Stufen, die man am Vortag ins Eis geschlagen hat, oft kaum noch vorhanden. So gesehen gibt es auch keine wirklich festen Routen, denn alles ist hier im ständigen Wandel.

So ging es dann langsam aber sicher aufwärts. Alle paar Minuten gab es eine kurze Pause, in der Tim uns mit seiner Spitzhacke den Weg bereitete. Von der Organisation her war die Tour wirklich hervorragend. Kritische Stellen waren beispielsweise mit zusätzlichen Seilen gesichert. Die Guides standen untereinander in ständigem Funkkontakt, um sich über die Bedingungen in verschiedenen Bereichen des Gletschers auszutauschen.

Auf dem Weg nach oben ging es unter anderem durch eine Spalte, in der man schon gut Platzangst bekommen konnte. Mein Fotorucksack war an dieser Stelle auch kurz der Meinung, er müßte da jetzt nicht durchpassen. Spätestens an dieser Stelle wußten wir dann auch, warum wir an einem Tag wie diesem die Regenjacken mitnehmen und schnell trocknende Hosen anziehen sollten. Hier fließt überall Wasser über das Gletschereis, teilweise bilden sich richtige Bäche. Und genau in dieser Gletscherspalte gab es den einen oder anderen kleinen Wasserfall.

Ansonsten sahen wir jede Menge herrlich blaues Eis. Gegen Mittag machten wir dann eine längere Pause, um eine Kleinigkeit zu essen. Anschließend ging es noch ein paar Meter weiter nach oben, um 14 Uhr hatten wir eine Höhe von 600 Metern erreicht und begannen mit dem Abstieg. Dieser war im Übrigen recht angenehm und vergleichsweise knieschonend. Wir mußten noch ein Zwangspause einlegen, da wir auf die Gruppe vor uns warten mußten. Diese hatte sich an einer Route versucht, die gestern noch vorhanden, heute aber nicht mehr passierbar war. Um 16 Uhr, also nach etwa sechseinhalb Stunden im Eis, hatten wir es dann geschafft. Jetzt mußten wir nur noch die 2,5 Kilometer über allerlei Geröll und durch den Regenwald zurücklaufen.

Nach insgesamt neun Stunden war der überaus gelungene Ausflug auf den Franz-Josef-Gletscher dann (leider) vorbei. Kann ich nur empfehlen, hat wirklich sehr viel Spaß gemacht. Unser Guide war wirklich super, hatte stets alles im Griff und immer eine nette Geschichte auf Lager. Ich fühlte mich eigentlich noch relativ fit, brauchte allerdings schon seit etwa 10 Uhr dringend ein Klo, und war so doch ganz froh, als ich wieder in meinem Zimmer war.

Während die Bilder des Tages kopiert und konvertiert wurden, konnte ich den knurrenden Magen mit einer Pizza (von Guzzi's, einem kleinen Pizzabäcker in Franz-Josef) zufriedenstellen. Diese war übrigens mit Mangold belegt. Ich wollte eigentlich Spinat, den gab es aber nicht. Mir wurde jedoch versichert, dass es sich bei Silverbeet um sowas ähnliches handelt. Hätten sie gleich Mangold drangeschrieben, hätte ich sicher nicht lange überlegen und Silverbeet nachgooglen müssen.